19.11.2018

Angst nehmen und Selbstvertrauen fördern

Kursteilnehmer des cts SchulZentrums St. Hildegard trainieren Schüler der Martin-Luther-King-Schule in Erster Hilfe

Aus den Boxen tönt „Highway to Hell“ von AC/DC. Im Takt zur Rockmusik drücken die Schüler der 7. Klasse an der Martin-Luther-King Schule in Saarlouis auf die Brustkörbe der Wiederbelebungspuppen. „Sind das die Rippen, die ich da spüre?“, fragt der 13-jährige David. Der Siebtklässler ist erstaunt, wie fest er drücken muss. Wiederbelebung, Verbände anlegen und stabile Seitenlage standen an diesem Tag anstatt Mathe und Deutsch auf dem Stundenplan – und zwar für alle 330 Schülerinnen und Schüler.


Unter dem Motto „Helfen statt Glotzen“ hatten die Teilnehmer der Fachweiterbildung Intensivmedizin und Anästhesie am cts SchulZentrum St. Hildegard dieses besondere Projekt initiiert. Ziel war es, eine ganze Schule in Erster Hilfe zu schulen. Projektleiterinnen Sabrina Spieß und Andrea Head hatten mit ihrem Team in monatelanger Vorbereitungszeit die Materialien erarbeitet und das Konzept perfektioniert. „Unser Ansatz war es, auf spielerische Art und Weise mit vielen praktischen Übungen Empathie zu fördern, die Angst vor dem Helfen zu nehmen und so Selbstvertrauen aufzubauen.“


Das Ganze sollte kurzweilig und abwechslungsreich geschehen. In jeweils zwei Schulstunden waren vier Stationen zu durchlaufen und es gab allerhand zu lernen: Neben den praktischen Übungen wurden auch nützliche Informationen zum Behandeln von Nasenbluten, Erkennen einer Kreislaufinstabilität oder Verständnis gängiger Krankheitsbilder vermittelt.


Gleichzeitig sollte für den Schulsanitätsdienst geworben werden, den es seit vielen Jahren es an der Martin-Luther-King-Schule gibt. Derzeit 17 Schülerinnen und Schüler haben einen umfangreichen Erste-Hilfe-Kurs besucht und versorgen Schüler zum Beispiel nach kleinen Verletzungen. Auch Etienne und Dennis sind seit zwei Jahren dabei. Am Aktionstag helfen sie an den verschiedenen Stationen aus und zeigen ihren Mitschülern zum Beispiel die verschiedenen Techniken beim Anlegen der Verbände. „Es macht Spaß zu helfen“, sagen die 14-Jährigen.


Um den Schülern die Hemmungen zu nehmen, setzte sich Schulleiter Udo Ulrich selbst auf einen Stuhl und ließ sich den Arm verbinden und sogar einen Kopfverband anlegen. Er könnte sich vorstellen, diese Aktion jetzt regelmäßig durchzuführen: „Für die Schüler war es ein persönlicher Erfolg: Sie haben etwas gelernt und es hat Spaß gemacht. Und durch den schnellen Wechsel zwischen den Stationen wurde es nicht langweilig. Quasi ein ‚Speed-Dating‘ für Erste Hilfe.“


Schulsozialarbeiter Nikhil Schmidt ist zufrieden mit dem Tag: „Die Schüler waren mit großem Engagement und Interesse dabei. Durch die vielen praktischen Übungen war der erlebnispädagogische Aspekt sehr ausgeprägt und es war eine schöne Abwechslung zum Frontal-Unterricht.“ Ein erstes Stimmungsbild, das die Schüler mit Klebepunkten abgegeben haben, zeigt die positive Resonanz. Die meisten haben etwas dazu gelernt, trauen sich jetzt eher zu, im Notfall zu helfen und hatten auch noch Spaß. Auch Projektleiterin Sabrina Spieß zieht ein positives Fazit: „Am Anfang des Tages kannten viele noch nicht mal die Notruf-Nummer. Wenn nur die hängen bleibt und wie erreichen konnten, dass die Schüler im Ernstfall den Notruf absetzen, dann haben wir schon viel gewonnen.“


Kursleiter Stefan Schneider und Gerhard Schackmann waren beeindruckt vom Engagement der 15 Kurzteilnehmer: „Das halbe Jahr Vorbereitung und die viele Arbeit haben sich gelohnt. Die Kooperation zwischen der Schule und unserem Schulzentrum war super und der Ablauf hat reibungslos funktioniert, trotz der logistischen Herausforderung. Ich bin sehr stolz auf alle Beteiligten.“