13.02.2020

Ein Leben und eine Zukunft in Deutschland aufbauen

Elf Kameruner machen am Caritas SchulZentrum Saarbrücken eine Ausbildung und berichten von ihren Erfahrungen fernab der Heimat

„Die Saarländer sind unglaublich nett. Ich fühle mich sehr wohl hier und die Ausbildung macht viel Spaß“, fasst Blondy Pomadji ihre Erfahrungen der letzten Monate zusammen. Die 31-Jährige kam im April vergangenen Jahres über das Studienkolleg ETALL aus Kamerun ans Caritas SchulZentrum Saarbrücken, um hier eine Pflege-Ausbildung anzufangen. Sie ist eine von mittlerweile elf Auszubildenden aus dem zentralafrikanischen Land, die eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Deutschland gebracht hat.

 

In Kamerun hat Blondy Pomadji bereits ein Praktikum beim Roten Kreuz gemacht und auch innerhalb der Familie Erfahrungen mit Pflege gesammelt: „In unserem Land leben Familien meist zusammen. Als mein Vater nach einer schweren Krankheit aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kam er direkt nach Hause. Dort habe ich dann geholfen, ihn zu pflegen. So etwas wie Pflegeheime oder Reha-Einrichtungen gibt es bei uns nicht.“ Sie hat sich entschieden, dass sie weiter in der Pflege arbeiten möchte und sich für das Programm ETALL beworben. Neun Monate hat die junge Frau Deutsch gelernt und wurde intensiv auf den Aufenthalt im Ausland vorbereitet. „Das ist eine einmalige Gelegenheit“, sagt sie.

 

Ein weiterer Teilnehmer aus dem Projekt ist Exupery Nguenjo Ngansop. In seinem Heimatland Kamerun hat er bereits ein Studium begonnen. „Aber das war alles viel zu theoretisch und hat mir keinen Spaß gemacht. Über ein Praktikum kam ich dann zur Pflege“, blickt er zurück. „Mir gefällt der direkte Kontakt mit den Menschen.“ Mit seiner Familie und Freunden in der Heimat steht er im regelmäßigen Kontakt: „Es war am Anfang nicht leicht für mich in Deutschland, vor allem weil ich aufgrund der Sprache viele  Schwierigkeiten hatte, im Unterricht zu folgen. Aber die Mitschüler und Lehrer haben mir sehr geholfen.“ An Deutschland schätzt er die moderne Infrastruktur und die guten Lernbedingungen am SchulZentrum. „Nach der Ausbildung will ich auf jeden Fall noch ein paar Jahre hier bleiben und Berufserfahrung sammeln.“

 

Alle elf Auszubildenden, die inzwischen am Caritas Schulzentrum eine Ausbildung begonnen haben, haben in ihrem Land Abitur gemacht, die meisten haben sogar angefangen zu studieren. Doch die Zukunftsperspektiven in Kamerun sind alles andere als rosig – alle haben die Erfahrung: Es gibt kaum Arbeit für junge Menschen. „Die Pflege in Kamerun ist nicht so weit entwickelt. Da können wir auch einen Beitrag leisten, um unser Land voran zu bringen. Die Technik in den Krankenhäusern ist veraltet und Pflegeheime gibt es gar nicht“, erzählt Steve Mbatchou Sandjong. Er hat eine Ausbildung als Physiotherapeut abgeschlossen, im Anschluss Biologie studiert und ein Jahr freiwillig bei der katholischen Kirche gearbeitet. „An der Pflege gefällt mir besonders die Arbeit im Team. Und es ist einfach ein schönes Gefühl, anderen Menschen helfen zu können“, sagt der 32-Jährige. „Das Studienkolleg ist eine Gelegenheit, ein neues Leben und eine Zukunft in Deutschland aufzubauen. Aber Eins ist für ihn und die anderen klar: „Irgendwann werde ich zurück nach Kamerun gehen. Wir können helfen, unser Land weiterzuentwickeln, denn man darf nie vergessen, woher man kommt.“

 

Die erste Gruppe Kameruner kam im April 2019 nach Saarbrücken. Im September 2019 kamen vier weitere junge Menschen. Alle haben sich inzwischen im Saarland eingelebt, eigene Wohnungen gefunden und Freundschaften geschlossen.  Ihnen gefällt die Nähe zu Frankreich, denn fast alle haben Französisch in der Schule als erste Fremdsprache gelernt. „Manchmal haben wir Probleme mit dem Dialekt, aber die Saarländer sind so nett und freundlich und helfen bei Verständnisproblemen immer direkt weiter“, sagt Blondy Pomadji und erinnert sich an ihren Praxiseinsatz im Caritas SeniorenHaus St. Irmina in Dudweiler: „Da gab es eine Bewohnerin, die überhaupt kein Hochdeutsch gesprochen hat, nur saarländisch. Aber auch das gehört für mich zum Integrationsprozess dazu: dass wir uns anpassen und die sprachlichen Besonderheiten lernen.“ Das Saarland-typische „Ei jo“ kennen inzwischen alle und auch, dass man „nee“ anstatt „nein“ sagt. „Mir hann heid morje Kaffee getrunk“, sagt Steve Mbatcholl und lacht.

 

Einige der jungen Leute machen aufgrund der Sprachbarriere zunächst die einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer, erklärt Kursleiterin Isabel Schuler. Drei seien jedoch schon so weit, dass sie direkt in die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft gestartet sind. „Wir sind froh, dass sie bei uns sind. Sie sind unglaublich wissbegierig und wissen genau, was sie wollen: einen Beruf erlernen, eine Zukunft aufbauen, ihre Familien und ihr Land voranbringen. Sie sind sehr motiviert und damit eine Bereicherung für unsere Schule.“

 

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